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 Montag, 06.02.2012
  
Pressestimmen
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Stefan Marx:
Im Osten sind die Gründer rar
 
Erschienen in: Financial Times Deutschland
Erschienen am: 17.10.2000
  
  
Als Bundeskanzler Schröder im August durch die neuen Länder reiste, legte er nicht nur den Grundstock für seine Gesangskarriere ("Bring mir mal ein Bier..."); er besuchte auch neue Unternehmen. Ein Internet-Start-Up war nicht darunter.
Kein Zufall: Denn im Osten steht es nicht gut um Online-Neugründungen. Nur drei bis vier Prozent aller deutschen Internet-Start-Ups sitzen in den neuen Ländern. Die Szene konzentriert sich auf München, Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt. In den fünf neuen Ländern sitzen höchstens 200 E-Business-Firmen, so die Unternehmensberatung Bain & Company; allein in Berlin gibt es doppelt so viele.

Es hapert im Osten an der Gründermentalität: Beim "Gründerwettbewerb Multimedia" des Bundeswirtschaftsministeriums kamen 1999 nur 13 Prozent der Teilnehmer aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen und Sachsen. Noch trüber sah es aus, als das Ministerium die Zahl der Ost-Firmen betrachtete, die nach dem Wettbewerb tatsächlich entstanden. "Die neuen Bundesländer brauchen mehr Zeit", sagt Andreas Maruschke, Sprecher des Thüringer Wirtschaftsministeriums. Er schränkt die schwache Bilanz des Ostens ein: Die Zahl der Start-Ups sei zwar klein, dafür sei ihre Qualität besonders hoch.

Jungen Internet-Firmen im Osten fehlen vor allem die Kunden aus der Industrie. "Vor Ort finde ich kaum Kunden für meine Online-Shop-Software", klagt Andreas Frömmel von der Firma ITC in Dresden. Viele Industriebetriebe im Osten werden von Konzernzentralen im Westen geleitet - und die haben meist schon Partner fürs E-Business. "Wenn Sie vor Ort akquirieren, finden Sie offene Türen - aber keine Entscheidung", sagt Frömmel. In einem weiteren Punkt ist ITC typisch für ein Ost-Start-Up: Frömmel brauchte westdeutsche Kollegen als Mitgründer. "Eine reine ostdeutsche Gründung ist unmöglich, weil das finanzielle Polster nicht vorhanden ist", sagt der Dresdner. Gute und billige Mitarbeiter für die Software-Entwicklung findet er leichter vor Ort.

 
Auch Heiko Hilscher ist zufrieden mit seiner Personalsituation. Er führt den Internet-Dienstleister activus in Erfurt. Von den Thüringer Hochschulen kämen genügend gute Studenten. Hilscher zieht es nicht in eines der Zentren der New Economy, wo es ein Netz gibt von Gründern, Risikokapitalgesellschaften und Business Angels. Es gebe auch in Thüringen eine Gründerszene, so Hilscher. Man müsse nur Kontakte knüpfen und sich um staatliche Förderprogramme bemühen.
 
Auch Thomas Otto zieht es nicht in den Westen. Otto ist einer der Gründer von Exquisit Technologies, die in Jena Software für Sprachtechnik entwickelt. Sechs Monate ist die Firma alt, am Jahresende soll sie 110 Mitarbeiter haben. Ständig drängten ihn Investoren, nach Berlin oder München zu gehen, erzählt Otto. Doch er bleibt in Jena. In den Netz-Metropolen seien Start-Ups doch nur damit beschäftigt, sich gegenseitig die besten Köpfe abzuwerben, meint Otto. Die Gebiete um Berlin, Dresden, Leipzig und Jena hätten gute Chancen, zu den Internet-Metropolen aufzuschließen. Ottos Vorbild ist Intershop. Mit dem Jenenser Nachbarn arbeitet Exquisit eng zusammen. Intershop ist die Vorzeige-Firma der New Economy Ost - doch erst in den letzten Monaten habe das Unternehmen angefangen, sich für die Stadt Jena einzusetzen, sagt Otto. Er will von Anfang an präsent in der Region sein: "Leute wie wir müssen Sorge tragen, dass sich Ost und West angleichen." Otto hat Wünsche an die Politik: Sie solle besonders die Wachstumsregionen rund um die Hochschulen fördern, Forschung und junge Unternehmen vernetzen und fördern. Das Gießkannenprinzip bringe nichts.

Hilfe verspricht das Medienbüro Berlin-Brandenburg, das die Multimedia-Industrie in den beiden Ländern hochpäppeln soll. Büro-Chef Bernd Schiphorst hat einen Aktionsplan präsentiert. Kernpunkte: Beratung der Start-Ups, und der Staat soll als Nachfrager auftreten. Thüringens Wirtschaftsminister Franz Schuster könnte sich dies zu Herzen nehmen. Er geht im Dezember nach des Kanzlers Muster auf Reisen. Schuster will die Start-Ups in seinem Land kennen lernen. Nun, seine eigene Website könnte eine Generalüberholung gebrauchen. Und ein Auftrag hilft mehr als 1000 Worte.
  
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